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Neverending Radio Nights

An das Gefühl – die Gefühle – kann ich mich noch sehr gut erinnern. Als ich das fertige Manuskript abschickte. Als mein Agent anrief, um mir mitzuteilen, dass er den Text sehr mochte. Als er abermals anrief, um mir anzukündigen, dass es einen Gesprächstermin bei „Aufbau“ gäbe. Als ich dort saß, vor dem Programmleiter und meinem zukünftigen Lektor, und mich ungläubig in einem richtigen Buchverlag umschaute, der wahnsinnigerweise ein Buch von und mit mir machen wollte. Als ich die Verträge unterschrieb (übrigens, ohne sie gelesen zu haben). Als ich die ersten Coverentwürfe sah. Als ich mit meinem Lektor unermüdlich endlose Gespräche führte, über Figuren, Schauplätze, die Anordnung von Kapiteln – und all das immer noch für einen absurden Traum hielt. Als ich erstmals Danksagungen verfasste. Als ich die erste Verlagsvorschau erhielt, in der ein Roman von mir angekündigt wurde. Als die Fahnen kamen. Als die Belegexemplare geliefert wurden. Als die erste Besprechung erschien (in einem Frauenmagazin namens „Allegra“). Als ich hypernervös und psychisch wie physisch völlig am Ende nach zwanzig angstvoll durchwachten Nächten vor dem Buchpremierenpublikum saß und aus meinem ersten Roman vorlas. Als die ersten Leserbriefe eintrafen.

Ich habe jetzt, in diesem Augenblick, während ich das hier schreibe, eine mordsmäßige Gänsehaut. Zwischen meinem ersten fiktionalen Text und der Veröffentlichung meines ersten Romans lagen 25 Jahre. Als es dann tatsächlich passierte, war das weit mehr als nur die Erfüllung eines Traums. Mir fällt leider kein Vergleich ein, der funktionieren könnte. Es ist nicht in Worte zu fassen. Und ich werde es ganz sicher nie vergessen, jedenfalls so lange nicht, wie ich über ein funktionierendes Gedächtnis verfüge.

Nicht nur deshalb liegt mir mein Erstling „Radio Nights“ sehr am Herzen. Wann immer ich dieses Buch zur Hand nehme, um ein paar Seiten zu lesen, kann ich mich leicht in die damalige Stimmung versetzen. Ich weiß noch, wo ich was geschrieben habe, und wann, oder welche Realpersonen für welche Romanfiguren Pate standen. Ich weiß noch, wie energisch und ehrgeizig und auch naiv und überzogen erwartungsvoll ich damals war. Wie die Gespräche verliefen, die ich mit befreundeten Autoren rund ums Manuskript führte. Wie sehr ich mich in Donald, Lindsey, Frank, Hagelmacher, Liddy und all die anderen Figuren verliebt habe. Die auch jetzt noch, über zehn Jahre danach, wie alte, lange nicht mehr getroffene Freunde in meinem Kopf herumspuken. Manchmal, wenn ich Radio höre, frage ich mich, was Donald „Don FM“ Kunze wohl zu dem sagen würde, was da gesendet wird.

Und deshalb freut mich außerordentlich, dass der Aufbau-Verlag im Jahr 2014 eine weitere Neuauflage dieses Romans publizieren wird. Es ist nach 2008 schon die zweite Neuauflage, und damit die fünfte insgesamt. Es ist nicht selbstverständlich, dass Romanen, die keine Bestseller waren, verlagsseitig so lange die Treue gehalten wird. Und es ist sehr schön, zu wissen, dass auch in Zukunft noch Menschen dieses Buch, meinen ersten Roman, in die Hand nehmen, kaufen und lesen können, um gleich zweimal zu erfahren, wie bedeutsam Lebensträume sein können, sind und sein sollten.

Und so wird es aussehen:

„Leichtmatrosen“ vielleicht bald im Kino!

Es gibt sie, die selbsterfüllenden Prophezeiungen. Vor nicht ganz drei Monaten schrieb ich den aktuellen Begrüßungstext für meine Site, in dem ich davon schwätze, dass mir noch eine Verfilmung fehlt.

Tja, und inzwischen sind sie unterschrieben, die Options- und Filmrechteverträge. Mit etwas Glück kommen Patrick, Simon, Henner und Mark in zwei, drei Jahren in die Kinos. Nach passenden Regisseuren und Drehbuchautoren wird bereits gesucht. Ob und wann es mit den Dreharbeiten losgeht, entscheidet sich dann im Sommer 2014. Das ist für die Branche ziemlich fix; vier, fünf, sechs Jahre Vorbereitungszeit sind keine Seltenheit.

Jahu!

Wenn sich jetzt noch Jürgen Vogel für die Rolle des Simon begeistern lässt, bin ich restlos glücklich. 😉

Feinkörnig! :)

Seit dem 15. April ist mein neuer Roman „Leichtmatrosen“ auf dem Markt, als Klappbroschur, eBook und Hörbuch-Download. Ich bin überrascht und beglückt von der großartigen, überwiegend sehr positiven Resonanz, und möchte mich auf diesem Weg bei allen bedanken, die Leserbriefe und Rezensionen geschrieben haben. <kotau> Es gab auch schon wunderbare Presse, derzeit stehen Lesungstermine in Berlin, Neustrelitz, Herbrechtigen, Crimmitschau und Grünwald an – weitere werden folgen. Updates und Rezensionen sind, wie immer, hauptsächlich auf Facebook zu finden.

Das Leben ist eine Schleuse! 🙂

Herzlich,
Tom Liehr

„Selfpublishing“

„Selfpublishing“ (also „Selbstveröffentlichung“) ist das aktuelle Schlagwort, wenn es um Alternativen zum vermeintlich verkrusteten Verlagswesen geht. Systematiken wie Amazons „Kindle Direct Publishing“ (KDP) gestatteten es nicht nur neuen Autoren, ihre Texte – von der Kurzgeschichte bis zum vielbändigen Roman – kostenlos und in kurzer Zeit zu veröffentlichen, was derzeit sehr, sehr viele Autoren tun, und ein paar von ihnen verblüffend erfolgreich. Warum ich diese Möglichkeiten dennoch kritisch sehe, erläutere ich in einem Beitrag im „Literaturcafé“, der seit seinem Erscheinen vor knapp zehn Tagen bereits mit über 50 Kommentaren versehen wurde. Die Antwort auf diese Kommentare folgt in den nächsten Tagen. Hier geht’s zum – etwas provokanten – Beitrag:

Tom Liehr: »Selfpublishing ist keine Alternative – und erst recht kein Allheilmittel«

LEICHTMATROSEN – ab April 2013!

Endlich, endlich sind die Vorschaubroschüren gedruckt, und ich darf das wunderbare Cover meines nächsten Romans herumzeigen – hier ist es:

Wer mehr darüber erfahren möchte, der sei auf die genannten Verlagsvorschauen verwiesen (Seiten 10 bis 13).

Der Titel ist noch nicht im Buchhandel gelistet, was sich aber kurzfristig ändern dürfte. Außerdem erscheint „Leichtmatrosen“ auch als Hörbuch bei „Der Hörverlag“. Hier der Klappentext:

Das Leben ist eine Schleuse

 

Sie sind bestenfalls Bekannte: Simon, der unzuverlässige Handwerker mit dem Handy-Tick, Henner, der Pfarrer, der gestärkte Hemden liebt, Mark, der Berufschaot, der noch zu Hause wohnt, und Patrick, der Lektor mit Liebeskummer. Aus einer Laune heraus buchen sie eine Tour auf einem Hausboot – und das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Kaum haben sie die erste Schleuse passiert, hat Patrick sein Erlebnis: Er sieht, wie eine wunderschöne Frau in einem Kanu mit ihm flirtet und dann davonfährt. Was die vier anschließend erwartet: eine wunderschöne Landschaft, ein paar besonders „leichte Mädchen“, eine schnell verliebte Schleusenwärterin, die albanische Mafia – und die Erkenntnis, dass sie ihr Leben ändern sollten …

Mehr Informationen demnächst.

„Gefickt“

Zugegeben, es gibt subtilere Romantitel. Andererseits mag auch so manch ein unvoreingenommener „Feuchtgebiete“-Käufer gedacht haben, ein Buch über das Amphibienleben in Nassbiotopen zu erwerben. Ein derartiger Etikettenirrtum ist bei „Gefickt“ so gut wie ausgeschlossen: Was draufsteht, ist tatsächlich auch drin. Es wird und man ist – nämlich: gefickt. Ja, es geschieht durchaus noch etwas mehr als nur das, aber dieses Wörtchen, das auf Vorschlag von Verleger und Lektorin zum Titel wurde, fasst den Roman durchaus gut zusammen.

Dieser Text hat knapp zwanzig Jahre auf dem Buckel. Er ist unter einem literarischen Eindruck entstanden, der sich unschwer erraten lässt (und zudem erwähnt wird). Unter dem Arbeitstitel „So cool“ habe ich versucht, eine negative Hauptfigur wirklich konsequent durchzuhalten, was tatsächlich nicht ganz einfach ist. Nein, es war nicht – niemals! – die Frage „Darf man das?“, was mich beim Schreiben intensiv umtrieb, sondern jene, wer länger mitmacht – meine Figuren oder ich. Aus vielen Gründen hänge ich sehr an diesem Text (der übrigens wirklich seine subtilen Momente hat), weshalb es mich gefreut hat, als Karsten Sturm von „Chichili“ anfragte, ob ich nicht etwas hätte, das sich für eine reine eBook-Veröffentlichung eignen würde.

Klappentext:

Ohne Rücksicht auf Verluste fordern zwei bekennende Hedonisten ihren Spaß ein – und sie bekommen ihn, notfalls mit Gewalt. Nichts ist ihnen heilig; Tabus kennen sie ebenso wenig. Peace, so der Künstlername des Erzählers Henry, arbeitet als Discjockey im In-Club Z und hat nur eines im Sinn: welches Mädchen sich als nächstes flachlegen lässt. Sein Freund Phillie, der von seinem Vater schwer misshandelt wird, geht regelmäßig mit Peace auf Tour. Die extremen, teils tragikomischen Exzesse des Duos enden in kleinen bis mittleren Katastrophen, was die beiden jedoch nicht schert. Bis ihre Taten und Untaten sie nach und nach einzuholen beginnen … Ein Roadmovie in Romanform für Freunde des derben bis tiefschwarzen Humors.

Den Roman gibt es ausschließlich als eBook, aber in allen gängigen Formaten.

Noch eine Anmerkung: Während der vergangenen Tage bin ich von nicht wenigen Leuten angesprochen worden, die einerseits erklärten, im Leben kein Buch mit einem solchen Titel kaufen zu wollen (nicht einmal als eBook), und andererseits/zugleich nachfragten, wie ich auf die irre Idee gekommen bin, dieser Titelei zuzustimmen. Tatsächlich fühlt es sich … merkwürdig an, einen Roman mit einem solchen Titel im Portfolio zu haben, zumal der Verlag mit dem Untertitel, von dem ich auch erst nach dem Erscheinen erfahren habe, praktisch noch einen obendrauf gesetzt hat. Aber, hey – es ist, wie es ist. Zudem kann und sollte der Titel durchaus als Warnung verstanden werden. Nicht verstanden werden sollte er als Hinweis darauf, dass es sich um eine Art Sex-Selbsterfahrungsgeschichte, Erotik im weitesten Sinn oder ähnliches handelt. Das ist definitiv nicht der Fall.

Und noch eine Anmerkung: Obwohl praktisch nicht für den Titel geworben wird, scheint es eine recht rege Nachfrage zu geben, was mich natürlich freut (Danke!). Seltsam finde ich allerdings, in welchen Kategorien bei „Amazon“ dieser Roman erfolgreich ist:

Worte überwinden Grenzen

Soeben erschienen:

 

Worte überwinden Grenzen

Diese Anthologie – publiziert vom „Hausverlag“ Lambertus– versammelt u.a. die Preisträger des Caritas-Literaturwettbewerbs „Barrieren überwinden“, den ich im vergangenen Jahr mit meiner Kurzgeschichte „Vielleicht ist sterben schlimmer“ gewonnen habe.
Neben den drei Siegergeschichten und einem Gedicht, das einen Sonderpreis der Jury gewonnen hat, findet man im ordentlich gestalteten Buch noch weitere Texte, die von der damaligen Vorjury ausgewählt wurden. Nach meinem ersten Eindruck sollte man keine zu hohen Erwartungen an die literarische Qualität der Auswahl stellen; viele (darunter äußerst rührende) Beiträge sind aus der Sicht von direkt oder indirekt Betroffenen geschrieben, weshalb es hier eher um Aspekte der Nachvollziehbarkeit und/oder Authentizität geht als darum, schriftstellerisch zu brillieren. Schon ein Blick ins Inhaltsverzeichnis offenbart, wohin die Reise geht – so tragen immerhin fünf der insgesamt knapp 30 Texte mehr oder weniger das Motto des Bewerbs im Titel. Nach einer Einleitung des Herausgebers (und Veranstalters) sowie einem Text über den Literaturpreis selbst steigt man direkt mit meiner Geschichte ein, dann folgen die Platzierten, anschließend geht es in die Auswahl der Vorjury.

Update

Aber nur ein kleines. „Sommerhit“ ist inzwischen in der zweiten Auflage. Eine Übersicht der bisher eingegangenen Presse und Lesermeinungen folgt demnächst. Außerdem habe ich gerade diesen Literaturwettbewerb gewonnen, was mich sehr freut, davon abgesehen schönt es meine Bilanz – drei Teilnahmen an Literaturwettbewerben bisher, zwei Siege, ein dritter Platz. Ich verliere ungerne, deshalb nehme ich selten teil. 😉

Bei „Lovelybooks“ gibt es seit kurzer Zeit etwas, das sich „Social Reading“ nennt. Nebenbei bemerkt – ich hielt das Lesen bisher auch schon für eine soziale Tätigkeit. Aber, hey, immer machen lassen, die jungen Götter. Wer also „sozial lesen“ möchte – hier geht’s lang: