{"id":222,"date":"2012-05-16T21:58:06","date_gmt":"2012-05-16T19:58:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tomliehr.de\/?p=222"},"modified":"2023-04-11T17:11:25","modified_gmt":"2023-04-11T15:11:25","slug":"der-streit-ums-urheberrecht-folge-2839-geschatzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tomliehr.de\/?p=222","title":{"rendered":"Der Streit ums Urheberrecht, Folge 2839 (gesch\u00e4tzt)"},"content":{"rendered":"<p>Die Situation grenzt ans Absurde. Atemlos eilt der technische Fortschritt voran, er\u00f6ffnet neue M\u00f6glichkeiten &#8211; f\u00fcr den <em>Ge<\/em>brauch, aber auch f\u00fcr den Missbrauch. Das ist bei jeder Entwicklung immanent; so gut wie alles, das sich Menschen ausgedacht haben, kann man so oder so nutzen. Ein Brotmesser ist ein hilfreiches Haushaltsger\u00e4t, mit dem man anderen jedoch auch geh\u00f6rigen Schaden zuf\u00fcgen kann, sogar vors\u00e4tzlich, aber das <em>sollte<\/em> man nat\u00fcrlich nicht tun. Das verst\u00f6\u00dft nicht nur gegen Gesetze, sondern auch gegen die ungeschriebenen Regeln des menschlichen Zusammenseins, die wir unter dem Begriff &#8222;Zivilisation&#8220; zusammenfassen.<\/p>\n<p>Vor ein paar Tagen schwappten irre Zahlen aus den Staaten her\u00fcber: F\u00fcnfundzwanzig Millionen Mal war die neueste Staffel einer HBO-Fernsehserie illegal &#8222;gedownloadet&#8220; worden, &#8222;Spiegel online&#8220; titelte: &#8222;Wer nicht verkauft, wird halt beklaut.&#8220; Dem stand eine Einschaltquote von vier Millionen bei der kostenpflichtigen Erstausstrahlung gegen\u00fcber &#8211; sechs Mal so viele Leute konnten und wollten die legale Verf\u00fcgbarkeit nicht abwarten und enteigneten einfach. Die Ursache, gar Schuld hierf\u00fcr wird aber nicht bei jenen gesucht, sondern bei der Produktionsfirma, die ein begr\u00fcndungsloses &#8222;Recht&#8220; der Downloader ignorierte und nicht rechtzeitig ihrer &#8222;Pflicht&#8220; nachkam, deren &#8222;Bed\u00fcrfnisse&#8220; zu befriedigen. <em>Wenn Du keinen Sex mit mir willst, &#8230;<\/em><\/p>\n<p>Parallel nimmt die Diskussion \u00fcber Kulturklau und -verf\u00fcgbarkeit immer irrere Z\u00fcge an. Die Parteien peitschen sich Unterschriftenlisten um die Ohren, bedrohen einander, sondern im Stundenrhythmus Kommentare, Blogeintr\u00e4ge, Kampfschriften und Manifeste ab. Von der \u00d6ffentlichkeit bestenfalls am Rande wahrgenommen, tobt augenscheinlich ein erbitterter Streit, in dessen Zentrum etwas steht, mit dem Otto Normalb\u00fcrger bis in die sp\u00e4ten Neunziger so gut wie nie konfrontiert wurde: Das Urheberrecht. Das Internet hat diesem Recht zu neuer Relevanz verholfen, denn nirgendwo sonst und zu keiner anderen Zeit war es verletzlicher.<\/p>\n<p>Das Urheberrecht ist ein <em>B\u00fcrgerrecht<\/em>, das fast in Augenh\u00f6he neben dem Eigentumsrecht steht, also jenem Recht, das den Besitz materieller G\u00fcter sch\u00fctzt. Das Recht, materielle G\u00fcter zu behalten, die wir legal erworben haben, steht &#8211; jedenfalls vorl\u00e4ufig noch &#8211; felsenfest, wohingegen die j\u00fcngere zivilisatorische Errungenschaft, die Geistesleistungen sch\u00fctzt, und die Grundlage nicht nur f\u00fcr kommerzielle Kunst und Unterhaltung ist, leichthin zur Disposition gestellt wird. Das kommt einem R\u00fcckfall in die Zeit vor der Aufkl\u00e4rung gleich, als Kreative nichtsw\u00fcrdig waren und allein materieller Reichtum z\u00e4hlte, Kreativit\u00e4t aber kaum etwas, wenn man nicht das seltene Gl\u00fcck hatte, \u00fcber einen M\u00e4zen zu verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Viele, die ungefragt oder erbeten mitdiskutieren, scheinen nicht zu wissen, wozu dieses Recht eigentlich gut ist und was es besagt. Einfach ausgedr\u00fcckt: <strong>Der Sch\u00f6pfer eines konkreten (in diesem Fall k\u00fcnstlerischen) Werkes darf allein dar\u00fcber entscheiden, was mit diesem Werk geschieht.<\/strong> Mit &#8222;konkretes Werk&#8220; ist eine Geistesleistung gemeint, die eine gewisse Sch\u00f6pfungsh\u00f6he erreicht, sich also von anderen und vom Allgemeingut abhebt; das Urheberrecht sch\u00fctzt keine Ideen, keine Aussagen und auch nicht &#8222;Wissen&#8220;, wie viele pseudoeloquent behaupten. Es sch\u00fctzt beispielsweise auch nicht Plot und Setting eines Romans, sondern nur diesen <em>speziellen<\/em> Roman &#8211; insgesamt und auszugsweise. Das Urheberrecht ist nicht, wie sogar manch ein Nachwuchsautor meint, \u00fcbertragbar und kann auch nicht ver\u00e4u\u00dfert werden; es ist an die Pers\u00f6nlichkeit des Urhebers gebunden. Im Gegensatz zum materiellen Eigentumsrecht endet es jedoch 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers; seine Werke werden nach dieser Schutzfrist &#8222;gemeinfrei&#8220;, k\u00f6nnen also weitergegeben werden, ohne jemanden hierf\u00fcr zu verg\u00fcten, aber umschreiben oder als eigene Werke ausgeben darf man sie auch dann nicht. Diese Verj\u00e4hrung soll gew\u00e4hrleisten, dass kulturelle Leistungen, die so bedeutend waren, dass sie selbst Jahrzehnte nach dem Tod des Sch\u00f6pfers noch interessant sind, auch der Allgemeinheit zur Verf\u00fcgung stehen und also Bestandteil des kulturellen Erbes einer Gesellschaft werden.<\/p>\n<p>Das Urheberrecht ist also daf\u00fcr da, immaterielles Eigentum zu sichern. Das betrifft nicht nur &#8222;Kunst&#8220; und Unterhaltung, sondern auch viele andere Bereiche, von der Architektur \u00fcber das Design und die konkrete Inszenierung eines Theaterst\u00fccks bis zur Softwareentwicklung. Woran jemand lange und intensiv gearbeitet hat, um schlie\u00dflich eine eigenst\u00e4ndige, kreative Sch\u00f6pfung zu pr\u00e4sentieren, das geh\u00f6rt ihm auch. Er besitzt fraglos auch die Freiheit, auf die hiermit verbundenen Rechte zu verzichten, was nicht wenige regelm\u00e4\u00dfig tun, aber im Normalfall sch\u00fctzt das Urheberrecht eben jene Arbeit und ihr Ergebnis. Dass das Urheberrecht auch vieles mitsch\u00fctzt, an dessen Schutz nicht einmal der Urheber selbst interessiert ist (etwa Privatfotos), ist ein Randproblem, das aber nichts rechtfertigt.<\/p>\n<p>Dieses Ergebnis nun l\u00e4sst sich heutzutage in vielen F\u00e4llen durch Daten repr\u00e4sentieren, was vor allem f\u00fcr Texte, Musik, Fotos, Filme und Software gilt. Digitale Daten verf\u00fcgen \u00fcber den Vorteil, beliebig oft reproduzierbar zu sein, ohne dass ein qualitativer Verlust entsteht. Dieser Vorteil wird von jenen, die &#8222;im Internet&#8220; &#8211; beabsichtigt oder nicht &#8211; Rechtsbr\u00fcche begehen, weidlich genutzt. Der Vorgang ist mit keinem oder nur sehr geringem Aufwand verbunden, und die Struktur des weltweiten Netzes, dessen Designschw\u00e4chen sich nicht nur an dieser Stelle zeigen, l\u00e4sst bisher zu, dass derlei \u00fcberwiegend ungestraft geschehen kann. Daraus wird in der aktuellen Diskussion h\u00e4ufig das &#8222;Recht&#8220; abgeleitet, dies eben auch zu <em>tun<\/em>. Als Begr\u00fcndung hierf\u00fcr muss herhalten, dass es einerseits sehr leicht ist, zweitens von vielen praktiziert wird und drittens praktisch kaum zu ahnden ist, ohne wesentliche Strukturen zu \u00e4ndern. Manch ein Zeitgenosse gie\u00dft das sogar in ein originelles, \u00fcberaus egoistisches &#8222;B\u00fcrgerrecht auf Vervielf\u00e4ltigung&#8220;, obwohl es genau das Gegenteil davon ist, n\u00e4mlich der Bruch eines B\u00fcrgerrechts. Hiervon abgesehen ist es ein mehr als halbseidenes, tendentiell jedoch asoziales Argument, den Bruch von Rechten legalisieren zu wollen, nur weil sie im speziellen Fall so schwierig zu gew\u00e4hrleisten sind. <strong><em>Es macht zivilisierte Gesellschaften aus, Rechte anderer auch dann zu achten, wenn der Versto\u00df gegen sie leicht und nahezu gefahrlos ist.<\/em><\/strong> W\u00fcrden wir alle den dieser Argumentation zugrundeliegenden Gedanken verinnerlichen, w\u00e4ren wir von einer \u00e4u\u00dferst bedrohlichen Vorform der Anarchie nicht mehr weit entfernt.<\/p>\n<p>Das amerikanische Pendant zum deutschen Urheberrecht hei\u00dft <em>Copyright<\/em> &#8211; das Recht, zu kopieren. Vor der Installation des Urheberrechts waren K\u00fcnstler, die keine Unikate hergestellt haben, auf das Wohlwollen der Feudalherren angewiesen, aber die M\u00f6glichkeit, von der konkreten Leistung zu profitieren, hatte letztlich jeder andere. Aus diesem Vasallentum wurden sie mit der revolution\u00e4ren Idee, immaterielles Eigentum dem materiellen nahezu gleichzustellen, befreit, und diese Entwicklung ist l\u00e4ngst nicht nur die Grundlage der gesamten Gegenwartskultur und der Unterhaltungsindustrie. Das Urheberrecht betrifft nicht nur Musik, Prosa und Filme, sondern weit mehr; es betrifft beinahe jedes Gewerbe, das etwas <em>entwickelt<\/em>.<\/p>\n<p>Ein K\u00fcnstler, der ein reproduzierbares Werk hergestellt hat, profitiert hiervon, indem er dieses <em>Recht, zu kopieren<\/em>, allein wahrnehmen oder andere mit der Wahrnehmung beauftragen kann. Ein Text an und f\u00fcr sich hat noch keinen Wert, vor allem keinen materiellen &#8211; dieser entsteht erst durch die Verwertung. Vieles, was an Kunst so hergestellt wird, erreicht diese Verwertungsphase nie, was manchmal bedauerlich, meistens aber ein wirksamer Schutz der Konsumenten vor noch mehr Unsinn ist. W\u00e4hrend also jemand, der ein Haus gebaut oder ein Auto gekauft hat, auf einen materiellen Wert verweisen kann, der sich jederzeit berechnen, aber auch wieder zu Geld machen l\u00e4sst, generieren urheberrechtlich gesch\u00fctzte Werke ihren Wert erst \u00fcber die verkauften Kopien, und zwar jede einzelne davon. Das mag in originellen Sonderf\u00e4llen, wenn K\u00fcnstler quasi \u00fcber Nacht Milliard\u00e4re werden, ein wenig ungerecht erscheinen, im Normalfall aber verdienen die vielen Hunderttausend frei Kulturschaffenden kaum mehr als ein angestellter Facharbeiter &#8211; in vielen F\u00e4llen jedoch weit weniger (was \u00fcbrigens nicht an der &#8222;b\u00f6sen Verwertungsindustrie&#8220; liegt, sondern haupts\u00e4chlich daran, dass das Angebot die Nachfrage bei weitem \u00fcbersteigt).<\/p>\n<p>Dieser Tatsache begegnen jene, die die Abschaffung oder wenigstens Aufweichung des Urheberrechts fordern, mit originellen, scheinbar futuristischen &#8222;Gesch\u00e4ftsmodellen&#8220;, von denen jedes weitere noch absonderlicher ist als das vorige. So skizzierte ein taz-Kolumnist k\u00fcrzlich (am 9.5.2012) eine Art Schneeballsystem, ohne seinen haarstr\u00e4ubenden Rechenfehler zu bemerken oder bemerken zu wollen, w\u00e4hrend andere darauf verweisen, dass einige Bands die freien Downloads ihrer Alben durchaus durch &#8222;Spenden&#8220; gegenfinanziert h\u00e4tten, und au\u00dferdem w\u00e4re jeder K\u00fcnstler doch wohl dazu in der Lage, etwaige Ausf\u00e4lle durch Live-Auftritte zu kompensieren. Verk\u00fcrzt gesagt: Ich klaue Dir Dein Auto, lasse Dir aber einen Metallblock da, aus dem Du mit etwas gutem Willen ein neues bauen k\u00f6nntest. Jeder, der solche Gesch\u00e4ftsmodelle propagiert, mag sie in leicht abgewandelter Form auf sein eigenes Erwerbsleben adaptieren &#8211; er wird, wenn er ehrlich zu sich ist, schnell zu dem Schluss kommen, dass es ein sehr \u00e4rmliches w\u00e4re, sich tendentiell aber \u00fcberhaupt nicht mehr lohnen w\u00fcrde. Den K\u00fcnstlern aber wird die R\u00fcckkehr zur sprichw\u00f6rtlichen Brotlosigkeit als praktische Verneigung vor dem Zeitgeist und den Missbrauchsm\u00f6glichkeiten des technischen Fortschritts einfach so nahegelegt.<\/p>\n<p>Dabei geht es bei all dem eigentlich \u00fcberhaupt nicht um das Urheberrecht. Wenn etwa eine Verk\u00fcrzung der Schutzfristen gefordert wird (wir erinnern uns: 70 Jahre bis zur Enteignung), was bestenfalls die Qualit\u00e4t eines Hebels hat, denn auch bei einer Verk\u00fcrzung auf zehn oder zwanzig Jahre w\u00e4re das Interesse etwa an Lady Gagas Erg\u00fcssen l\u00e4ngst abgeebbt, verschiebt dies den Kern der Diskussion nur weiter, um vom eigentlichen Problem abzulenken. Dass es nichts mehr zu &#8222;sharen&#8220; g\u00e4be, wenn die &#8222;Sharer&#8220; mit ihren Forderungen erfolgreich w\u00e4ren, wissen diese letztlich selbst (am Rande &#8211; Begriffe wie &#8222;Tausch&#8220; &#8211; ich gebe meines weg, bekomme daf\u00fcr deines &#8211; und &#8222;Sharing&#8220;, also &#8222;Teilung&#8220; &#8211; die Menge bleibt gleich und verringert sich f\u00fcr den Einzelnen mit jeder Teilung &#8211; sind irref\u00fchrend und falsch; im Internet gibt es weder Tausch, noch Teilung, sondern immer nur <em>Multiplikation<\/em>). Ausgangspunkt der gesamten Debatte sind tats\u00e4chlich die Ideen f\u00fcr eine verbesserte Kontrolle und einfachere Verfolgungsm\u00f6glichkeiten, also Ans\u00e4tze wie das &#8211; m\u00f6glicherweise zu recht &#8211; vielgescholtene &#8222;ACTA&#8220;. Diese sollen es erlauben, gegen Urheberrechtsverst\u00f6\u00dfe und illegalen Handel mit gef\u00e4lschter Markenware leichter vorgehen zu k\u00f6nnen, was bisher so gut wie &#8211; aber nicht v\u00f6llig &#8211; unm\u00f6glich ist. Mit der Installation dieser Systematiken (es sind <em>Handelsabkommen<\/em>), so bef\u00fcrchten viele, w\u00fcrde &#8222;das Internet&#8220; beschnitten werden, g\u00e4be es also Freiheiten nicht mehr, die derzeit vermeintlich existieren. Damit ist nicht notwendigerweise die &#8222;Freiheit&#8220; gemeint, urheberrechtlich gesch\u00fctzte Werke nach Belieben zu kopieren, sondern eher jene, sich weitgehend anonym nach Herzenslust auszutoben. G\u00e4be es aber, so der Gedanke, das nicht mehr, was gesch\u00fctzt werden soll, m\u00fcssten auch keine Mechanismen installiert werden, <em>um<\/em> es zu sch\u00fctzen. Bestechend einfach, aber leider sehr kurz gedacht. Die Liste der Straftaten, deren Straftatbest\u00e4nde man einfach abschaffen m\u00fcsste, um sie auch nicht mehr &#8222;im Internet&#8220; (oder gar au\u00dferhalb der Virtualit\u00e4t, was nur konsequent w\u00e4re) verfolgen zu m\u00fcssen, w\u00e4re <em>sehr<\/em> lang &#8211; man muss nicht einmal Exponenten wie die Verbreitung von kinderpornografischem Material nennen. Die Naivit\u00e4t dieses Ansatzes hat etwas R\u00fchrendes, was nur wenige daran hindert, ihn als &#8222;neues Denken&#8220; zu verkaufen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mal davon abgesehen, dass es, wie gesagt, alsbald kaum mehr etwas zum &#8222;Sharen&#8220; g\u00e4be, w\u00e4re die kommerzielle Kultur fl\u00e4chendeckend auf die neuen, bestenfalls im Erstanwendungsmoment funktionierenden &#8222;Gesch\u00e4ftsmodelle&#8220; angewiesen, ist vor allem die Idee, etwas zu legalisieren, das bis dato illegal ist, aber vermeintlich jeder tut (auch das ist eine weitgehend unbewiesene Behauptung, wovon im Rahmen dieser Diskussion hunderte verwendet werden), eben grundfalsch. Wenn man sich im PKW fortbewegt, gewinnt man den Eindruck, nahezu jeder andere Fahrzeuglenker w\u00fcrde die Geschwindigkeitsbegrenzungen missachten, aber dieser Eindruck ist erstens ein pers\u00f6nlicher (!), zweitens wahrscheinlich unrichtig und drittens vor allem keine sinnvolle Begr\u00fcndung daf\u00fcr, einfach alle Geschwindigkeitsbegrenzungen abzuschaffen. Gesellschaften funktionieren nicht, indem man jeden Einzelnen jederzeit &#8211; etwa durch permanente \u00dcberwachung &#8211; dazu <em>zwingt<\/em>, die Regeln einzuhalten und den Anderen zu achten, sondern dadurch, dass die Menschen <em>begreifen<\/em>, dass diese Regeln zum Schutz da sind &#8211; durchaus auch zum eigenen Schutz. Adaptiert auf die Kopiersituation im Netz bedeutet das: Es mag sinnvoll sein, die Kontrolle zu intensivieren, aber zuvorderst muss die Sensibilit\u00e4t daf\u00fcr erh\u00f6ht werden, dass man Schaden anrichtet &#8211; Schaden, der irgendwann auch auf einen selbst zur\u00fcckf\u00e4llt. Denn das Urheberrecht ist nicht nur (eigentlich \u00fcberhaupt nicht) der Garant f\u00fcr K\u00fcnstler, einen kurzen Moment des Musenkusses in wahnwitzigen Reichtum zu verwandeln, sondern nicht weniger als das Fundament unserer gesamten Gegenwartskultur.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Also, Leute. Benutzt das Brotmesser, um Euch leckere Stullen zu schmieren. Und lasst es einfach ansonsten in der K\u00fcchenschublade. Es gibt so viel kostenlose und\/oder gemeinfreie Kultur, dass man mehrere hundert Leben br\u00e4uchte, um all das zu konsumieren. Ja, es ist \u00e4rgerlich, wenn es etwas Brandneues gibt, von dem man auch noch glaubt, es unbedingt und um jeden Preis sofort haben zu wollen. Aber erstens muss man das nicht wirklich &#8211; und au\u00dferdem ist das Brandneue morgen auch noch gro\u00dfartig, wenn man legal rankommt und damit zugleich gew\u00e4hrleistet, dass es \u00fcbermorgen mehr Brandneues gibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Situation grenzt ans Absurde. Atemlos eilt der technische Fortschritt voran, er\u00f6ffnet neue M\u00f6glichkeiten &#8211; f\u00fcr den Gebrauch, aber auch f\u00fcr den Missbrauch. Das ist bei jeder Entwicklung immanent; so gut wie alles, das sich Menschen ausgedacht haben, kann man so oder so nutzen. 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