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Bio

Jahrgang 1962, Berliner, verheiratet, selbständiger Kaufmann und freier Autor, Mitbegründer und zeitweise Vorsitzender des „42erAutoren – Verein zur Förderung der Literatur e.V.“.

Als pubertierender 14jähriger besuchte ich einen Schreibmaschinenkurs bei der Volkshochschule, Anfänger I bis Fortgeschrittene II – zum Schluß als Hahn (genaugenommen als Hähnchen) im Korb inmitten angehender Sekretärinnen, als einziger Teilnehmer mit leichtem Testosteronüberschuß, statistisch gesehen zumindest. Ich wollte unbedingt so schnell tippen können wie nur irgendmöglich. Ein halbes Jahr später lag mein erstes Romanmanuskript vor, 350 Seiten, natürlich Science Fiction, was schreibt man sonst als Halbwüchsiger (abgesehen von zappeliger Liebeslyrik und Songtexten): „Der Aufstand der Menschen“, auf der laut rasselnden elektrischen Schreibmaschine heruntergetippt, nachts unter der Bettdecke. In irgendeinem Umzugskarton steckt das Ding noch, natürlich haben meine Geschwister das Buch geliebt, aber genauso natürlich hatte das nichts zu sagen, obwohl ich ihnen für die Motivation dankbar war – und immer noch bin. Ein paar krude Kurzgeschichten sind ebenfalls in dieser Zeit entstanden, etwa das kleine Märchen „Bobo, der frierende Kühlschrank“; die Story habe ich letztens wiedergefunden und mich beim Lesen schlappgelacht. Dann das ambitionierte große Werk: „Letzte Bestandsaufnahme“, mit 18. Die kompakte Weisheit eines jungen Mannes, der bereits alles gesehen, gehört und erlebt hat, wie er glaubte, sich zumindest berufen fühlte, über all das zu schreiben: Beziehungskrisen, Suizidgedanken, Drogen, diese Dinge. Zwei oder drei Male überarbeitet, dann in die Tonne. Irgendeine Fassung dieses wirklich schlimmen Monstrums lauert ebenfalls in irgendeiner Kiste; besser nicht danach suchen. Daß ich weder eine Beziehungskrise, noch Selbstmordabsichten oder Drogenkonsum (jedenfalls keinen, den man ernsthaft als solchen bezeichnen könnte) selbst erlebt hatte, schien mir irrelevant. Schreiben ist Fiktion, dachte ich mir. Stimmt ja auch, aber …

Danach die lange Schaffenspause; jeder wirklich große Autor braucht das . Sie hat bis 1988 gedauert, da war ich immerhin schon 26. Der „Playboy“ schrieb 1990 seinen ersten Short-Story-Wettbewerb aus, jenen, aus dem später der „Gratwanderpreis“ wurde. Ich reichte zwei Storys ein, eine erotische, praktisch für das Magazin geschrieben („Hallo, Liebling, hier spricht Harry“), und eine, die später als „Thriller“ bezeichnet wurde, „Auf Sendung mit dem letzten Schuß“, und in der es, wie in meinem ersten Roman, ums Radio ging. Die Erotik landete auf Platz eins, der Radiothriller auf Platz drei, schon eine Leistung bei knapp achthundert Beiträgen. „Von mir waren Fotos im Playboy“, konnte ich kurze Zeit später behaupten, und obwohl ich glücklicherweise nicht nackt abgebildet war, hatte es der hochambitionierte, erstmals von einem großen Magazin beauftragte Fotograf geschafft, superpeinliche Bilder zu schießen. Immerhin erschienen beide Storys, toll illustriert – meine Freunde kauften den „Playboy“, und erstmals nahm man ihnen die Erklärung ab, es hauptsächlich wegen des Literaturteils zu tun. Leute interviewten mich für RTL und andere Sender, ein Agent rief an, und fragte, was ich sonst noch in petto hätte. Nix. Aber der nette Agent nahm mich trotzdem unter Vertrag. Ein paar Short Storys landeten etwas später in Anthologien bei Heyne, Lübbe und anderen, darunter „Auf Sendung mit dem letzten Schuß“ unter dem Originaltitel „Der Besucher“ im Heyne-Krimi-Jahresband 1992. Der erfolgreiche Erstlingsroman blieb in einer Schublade meines Hinterkopfes. Ich hörte wieder auf, der Agent ging seiner, ich meiner Wege. Zweite Schaffenspause.

Ein Forum bei „CompuServe“ schrieb dann Mitte der Neunziger einen kleinen Wettbewerb aus – das Internet war noch neu und aufregend, die heimligen CompuServe-Foren standen nur einer kleinen Gruppe von Nutzern zur Verfügung. „Phantastic!“ hieß dasjenige mit dem Wettbewerb. Es ging darum, eine Story fortzusetzen, deren Anfang Deutschlands noch immer auflagenstärkster SF/F-Autor – Wolfgang Hohlbein – vorgegeben hatte. Irgendwas mit Aliens. Ich hackte eine satirische Story herunter, am Abend vor Abgabe, und wurde, glaube ich, zweiter. Viel interessanter als der Wettbewerb war das Forum selbst, in dem es eine kleine Gruppe von Hobbyautoren gab, die sich über ihre Texte austauschten: „42 – Writer’s World“. Das war enorm spannend, und ich fing wieder an. „So cool“ entstand, ein sehr heftiges, brutales, leider aber auch richtungsarmes Buch um zwei misanthrope Spaßvögel. Immerhin schaffte ich es, über das Manuskript einen Agenten auf mich aufmerksam zu machen – Michael Meller. Aus dem Buch wurde zwar nichts, und auch der Nachfolger, „Am Leben bleiben“, kam über den Status „lustig, aber ungenießbar“ nie hinaus. Aber Meller drängte und schubste mich, wies auf die Schwächen hin und lobte die Stärken.

Parallel erwuchs u.a. aus der „42 – Writer’s World“ eine sehr große Internet-Autorengruppe, die „42erAutoren“, zunächst als Mailingliste zur wöchentlichen Besprechung des Textes eines der zeitweise weit über zweihundert Mitgliedsautoren (das Angebot existiert inzwischen als Forum und die 42erAutoren sind ein „Verein zur Förderung der Literatur“, der u.a. den jährlich erscheinenden Autorenkalender herausgibt). Ein befreundeter Schriftsteller, Alexander Wichert, gründete zeitgleich sein Internet-Textarbeitsprojekt „Phoenix“, eine kleine, sehr fein besetzte Gruppe. Ich begann mit der Arbeit an „Radio Nights“, plottete und recherchierte, gab jedes Kapitel in den Reißwolf der „Phoenixe“. Im September 2001 war dann die erste Rohfassung fertig – dank der Phoenixe, insbesondere des fantastischen Alexander Wichert und der hochtalentierten Iris Kammerer (die inzwischen selbst drei Romane bei Heyne und einen bei Aufbau veröffentlicht hat). Mein Agent war froh, ich war froh, und im März 2003 erschien der Roman bei „Aufbau“. Diesen Monat werde ich so schnell nicht vergessen. Am 21. März (dem Tag, an dem die Amis zum zweiten Mal im Irak einmarschierten) besuchte ich ein Konzert meines Lieblingsmusikers Jackson Browne. Auf dem Weg dorthin bekam ich einen Anruf, eine Freundin meiner damaligen Freundin und jetzigen Frau sagte, ich müsse mir unbedingt das Frauenmagazin „Allegra“ kaufen. Wir fuhren zum Bahnhof Zoo und holten uns die Zeitschrift. Es war nur ein kurzer Artikel, aber ich hielt die erste Besprechung eines eigenen Romans in den Händen – das war ein wirklich wahnsinniges Gefühl. Es blieb nicht die letzte; obwohl „Radio Nights“ kein Bestseller wurde, hat das Buch ziemlich gute Presse bekommen. Man nennt sowas wohl „Achtungserfolg“. :o) Anfang 2007 war der Roman vergriffen, er wurde im Herbst 2008 neu aufgelegt – mit einem anderen Cover und einem zusätzlichen Schlusskapitel.

Aber der Verlag gab mir eine weitere Chance. Ich reduzierte ein älteres Manuskript mit dem Arbeitstitel „Am Leben bleiben“ auf die Essentials und schrieb den Roman dann völlig neu. Unter dem Titel „Idiotentest“ ist das Buch im Oktober 2005 erschienen. Es verkauft sich deutlich besser als „Radio Nights“ und liegt mithin in der vierten Auflage vor; die fünfte ist derzeit in Planung (Frühsommer 2009). Das inzwischen berühmt-berüchtigte vierte Kapitel „30 Biere“ habe ich in den vergangenen Jahren gut und gerne fünfzig Mal vorgelesen. Die Frage, ob technisch machbar ist, was der Protagonist in diesem Kapitel tut, ist übrigens nach wie vor noch nicht beantwortet worden. Falls jemand auf die Idee kommen sollte, das mal unter Realbedingungen nachzustellen, erkläre ich mich gerne dazu bereit, als Beobachter dabei zu sein.

Zwischenzeitlich habe ich mehrere Kurzgeschichten geschrieben, die in Anthologien erschienen sind, zudem eine SF-Story mit dem Titel „Downlink“, die in der renommierten Computerzeitschrift c’t publiziert wurde. Im Herbst 2006 habe ich mich erstmals in „Schreibklausur“ begeben. In einem Hotelzimmer am Zeuthener See, südlich von Berlin, habe ich Laptop, Drucker und einige Nachschlagewerke aufgestellt, mich davorgesetzt und auf die Muse gehofft. Am Morgen des zweiten Tages schaute sie dann vorbei, grinste mich an und blieb, und am Ende der Woche war der erste Teil des Romans fertig. Das Manuskript hatte den Arbeitstitel „Rewind“ und erschien im März 2008 unter dem Titel „Geisterfahrer“. Mein Lieblingslektor Andreas Paschedag und ich hatten bis dahin allerdings noch ein bißchen was zu tun. Leserwunschgemäß wurde dieses Buch deutlich länger sein als die beiden Vorgänger. Im Frühjahr 2007, kurz vor der Fertigstellung der Rohfassung von „Geisterfahrer“, bekam ich vom Verlag das Angebot, ein sogenanntes „Tie-In“ zu verfassen, also einen Roman zu einem Film zu schreiben, der nicht auf einer literarischen Vorlage basiert. Das Drehbuch hat mir so gut gefallen, daß ich zugesagt habe. Der Roman „Stellungswechsel“ erschien im Oktober 2007. Die Arbeit daran war spannend, aber auch ein wenig seltsam. Erstmals mußte ich über Figuren schreiben, die ich nicht selbst „gebaut“ habe. Diese Filmadaption ist inzwischen in zweiter Auflage und mit umgestaltetem Cover erhältlich, den Film gibt’s auch schon auf DVD.

Irgendwann im Frühherbst 2008 saßen „mein“ Lektor und ich beim Bier in einer Kneipe und quatschten über Gott und die Welt, und in einem Nebensatz ließ ich den Begriff „Pauschaltourist“ fallen. „Das wäre doch ein schöner Titel für ein neues Buch“, sagte Andreas und prostete mir zu. Ich ließ die Idee ein paar Sekunden sacken, und wenige Minuten später war der Plot geboren. Meine ersten drei Romane lassen sich als „Coming-Of-Age-Popliteratur“ kategorisieren, und mit „Pauschaltourist“, der im Oktober 2009 erhältlich sein wird, bewege ich mich auf neuem Terrain. So viel lässt sich jetzt schon, kurz nach der Fertigstellung, festhalten: Dieses Buch wird anders. Hart, schnell, amüsant. Ich bin gespannt, was Ihr dazu sagen werdet.

Aktualisierung 01/2013

Wieder sind vier Jahre ins Land gegangen. „Pauschaltourist“ liegt inzwischen in der fünften Auflage vor, im Sommer 2011 folgte „Sommerhit“, mein bislang wohl ernstestes Buch, auf das ich ganz wunderbare Resonanz erhalten habe. Es wurde erst als Klappbroschur publiziert, im März 2013 folgt(e) das Taschenbuch. Im April 2013 erblickt(e) „Leichtmatrosen“ das Licht der Welt, ein Roman, der mich ganz besonders stolz macht, weil ich ihn für schlicht perfekt halte – unterhaltsam, amüsant, lakonisch, aber auch anspruchsvoll. Vielleicht ist es das Buch, in dem sich alles versammelt, was ich bisher als Schriftsteller zu erreichen versucht habe. Ohne dass es irgendwie das Ende einer Entwicklung markieren würde. Aber ich habe mich freigeschwommen.

Ich komme kaum noch damit hinterher, alles zu reflektieren, was so geschieht. Etwa die wirklich irre Lesung mit Oliver Uschmann, Matthias Sachau und Raymund Krauleidis, die das Berliner „Monarch“ total gerockt hat. Den feinen und sehr aufregenden Auftritt vor zig hundert Menschen im Hamburger „Knust“, bei „Feels Like Home“, der Benefizveranstaltung von Johannes „Revolverheld“ Strate. Aber auch die hinreißende Leserpost, die tollen Besprechungen überall.

Das ist alles nach wie vor unglaublich spannend. Die Wochen und Tage vor dem Erscheinen des nächsten Buchs, die Premieren und Lesungen. Ich hoffe wirklich, dass mir nicht irgendwann einer auf die Schulter tippt und sagt: „Hey, aufwachen.“ 😉

Aktualisierung 03/2015

Und zwei weitere Jahre später: Zu „Leichtmatrosen“, dessen Verfilmung derzeit von der Produktionsfirma „Lichtblick Media“ vorbereitet wird, durfte ich die bisher längste und schönste Lesereise absolvieren. Es begann mit einer ausverkauften Buchpremiere im „Heimathafen Neukölln“:

WebSite von Koka36, kurz vor der Buchpremiere

Der romantischste Abend dieser Lesereise war der Auftritt im Garten des „Hotels Schlossgarten“ in Neustrelitz (einem Handlungsort des Romans), aber der Knaller war im Oktober 2013 der vorläufige Abschluss der Reise, nämlich der Gig im Theater in Crimmitschau. Zum Glück haben mir die Zuschauer verziehen, dass ich im Rahmen der Lesung versucht habe, zu sächseln. Crimmitschau rockt!

Im Frühjahr 2014 habe ich den Verlag gewechselt; mein neunter Roman „Nachttankstelle“ erscheint im August 2015 bei Rowohlt.

Ansonsten gilt immer noch der Schlusssatz der Aktualisierung 01/2013. 😉